–
Ökologische Pflanzenzucht in den Oldendorfer Saatzuchten
Feldgespräch der IG Saatgut
mit Florian Jordan, Vera Becher, Iris Attrot und Ulrike Behrendt
„Saatgut ist Kulturgut“
Die Unabhängigkeit unserer Nahrungsproduktion, die Vielfalt auf unseren Äckern und Tellern und die Zukunft unserer Böden – all das steht auf dem Spiel. Denn im Juni hat das europäische Parlament die Deregulierung der neuen Gentechniken beschlossen. Dies ermöglicht die Patentierung von Genen, Saatgut und Lebensmitteln in bislang ungeahntem Ausmaß, da gentechnische Veränderungen sich als technische „Erfindungen“
interpretieren lassen. Schon in den den letzten 10 Jahren stieg die Zahl der Patente rasant an, aktuell sind bereits über 1000 Pflanzensorten betroffen. Diese Patente gehören oft internationalen Agrochemiekonzernen, in deren wirtschaftlichem Interesse es liegt, den weltweiten Lebensmittelmarkt zunehmend zu kontrollieren.
Doch nur mit einer unabhängigen ökologischen Pflanzenzüchtung, die gesunde Böden, gesunde Pflanzen und gesunde Menschen zum Ziel hat, kann Landwirtschaft zukunftstauglich sein. In diesem Sinne züchten wir in Oldendorf samenfeste, das heißt nachbaufähige, Sorten für den Ökologischen Landbau – und das bereits seit mehr als 30 Jahren im Rahmen des Kultursaat e.V. „Durch die Nachbaufähigkeit sind unsere Sorten frei zugänglich. Wir verzichten bewusst auf Sortenschutz, was bedeutet, dass für Nachbau und Verwendung unserer Sorten keinerlei Lizenzgebühren anfallen“ so Züchterin Vera Becher.
Das Prinzip der Nachbaufähigkeit samenfester Sorten lasse sich mit dem Open Source Prinzip aus der Softwareentwicklung vergleichen, so Becher weiter. „So wie dort der Quelltext öffentlich eingesehen, frei verteilt und von befähigten Nutzern nach Bedarf verändert werden darf, dürfen GärtnerInnen das Saatgut unserer Sorten gewinnen,
nachbauen und an ihren Standort anpassen. Saatgut ist Kulturgut. Die Zukunft unserer Nahrung darf nicht der Profitmaximierung geopfert werden.“
Unter dem Motto „Lebendige Pflanzenzüchtungen“ laden wir Sie am Samstag, den 15. August 2026 von 15.00 bis 17.00 Uhr zu einer Führung durch die Zuchtgärten in Oldendorf ein. Dabei erhalten Sie vielfältige Einblicke in Züchtungskulturen und -methoden sowie in den Anbau von Gemüsepflanzen zur Saatgutgewinnung. Erleben Sie erfahrene gärtnerische Pflanzenzüchtung und Techniken jenseits von Labor und
Biotechnologie. Tauchen Sie mit allen Sinnen ein in eine Welt voller Formen, Farben und Aromen. Sie werden sehen, riechen, schmecken und verstehen, warum Vielfalt auf dem Acker nicht nur schön, sondern auch essentiell für eine zukunftsfähige Lebensmittelversorgung ist.
Saatgut für Tomaten, Gurken, Paprika, Auberginen, Salate, Porree, Möhren, Rote Bete und vieles mehr wird auf ökologische Weise in Oldendorf gezüchtet. Dies kommt auch den Mitgliedern der Solidarischen Landwirtschafts-Gemeinschaft (SoLawi) in Bremen und
umzu zugute, die wöchentlich – verpackungsfrei – mit Bio-Gemüse beliefert werden. Die Kombination aus ökologischer Saatgutgewinnung und SoLawi gibt es in dieser Form in Norddeutschland nur auf dem Gärtnerhof in Oldendorf. Wer hier SoLawi-Mitglied wird, unterstützt zugleich die zukünftige freie Züchtung im ökologischen Landbau!
Führung durch die Zuchtgärten: Sa, 15. August, 15.00 bis 17.00 Uhr
www.ig-saatgut.de/themen/feldgespraeche/details/16/oldendorfer-saatzucht
Ort: Gärtnerhof Oldendorf, Oldendorfer Landstr. 24, 27729 Holste